Das Futuro-Betreuungsprogramm: DIE Lösung

Artikel der Zeitschrift "Primary and Hospital Care" können nun direkt dort diskutiert werden.

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markus.gnaedinger
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Das Futuro-Betreuungsprogramm: DIE Lösung

Beitrag von markus.gnaedinger » Fr 7. Jan 2011, 07:30

In seinem aktuellen PrimaryCare-Artikel bespricht Urs Zanoni, Master of Public Health, Medix AG das Futuro-Betreuungsprogramm. Im Kern geht es um die Frage, was eine "aufgewertete" und dafür speziell ausgebildete Medizinische Praxisassistentin (MPA) den HausärztInnen abnehmen, ja vielleicht sogar besser als diese machen kann. Und es geht darum, das Konzept von den "Nurse-Practitioners" abzugrenzen, die vom BAG avvisiert werden (zumindest unter dem früheren Gesundheitsminister). Lesen Sie und diskutieren Sie mit:

http://www.primary-care.ch/pdf_d/2011/2011-01/2011-01-259.PDF

Urs Enggist
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Re: Das Futuro-Betreuungsprogramm: DIE Lösung

Beitrag von Urs Enggist » Fr 7. Jan 2011, 09:38

Dem Konzept gebe ich Zukunfts-Chancen, da wir Hausärzte am Aussterben sind...

Hauptproblem: (das kann man im aktuellen PC bei Kollege Zanoni MEDIX Zürich nachlesen) die Vergütung der "Spezial-MPA" ist alles andere als klar...
...oder weiss jemand diesbezüglich von "gesundheitspolitischen oder sogar BAG-betreuten Finanzbestrebungen"?

Übrigens in den Spitälern gibt es auch schon die "Spital-Arzt-unterstützende Fach-Nurses"...auch hier ist die "Spezialbezahlung" (speziell jetzt unter dem DRG-Finanz-Damoklesschwert) ein Thema....

(ich habe in peto eine Herz-Insuffizienz-Schwester, die sofort die diesbezüglichen HI-Patienten in unserer Allgemein-Praxis betreuen würde...nur kann mir jemand von Euch sagen, wie ich die junge "Spezialfach-Nurse als Grundversorger vergüten soll?)

psigg
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Re: Das Futuro-Betreuungsprogramm: DIE Lösung

Beitrag von psigg » So 30. Jan 2011, 15:11

Ich finde die Idee sehr gut, sehe aber Probleme bei der finanziellen Umsetzung. Bevor man das Programm ablaufen lässt, sollte die Finanzierung geregelt sein. Es wird sicher Mehrkosten generieren die aber langsfristig sich kostendämpfend auswirken. Es darf nicht sein, dass wir am Schluss eine verbesserte Grundversorgung kostenneutral umsetzen oder gar mit Mehrkosten für den Praxisarzt verknüpfen. Die Futuro MPA dürfte eine einen höheren Lohn erhalten, dies muss dann mit den zu schaffenden Tarmedpositionen verrechnet werden, so dass unter dem Strich ein Gewinn resultiert. Gestört habe ich mich etwas an dem im Artikel genannten Ausgangsbedingungen ohne Futuro: Hier wird einfach pauschal festgehalten, dass keinerlei strukturierte Betreuung von chronisch kranken vorliegt oder praktiziert wird. Da würde mich dann schon interessieren wie wir bisher all die chronisch kranken Diabetiker, COPD isten, Herzinsuffizienten etc bisher betreut haben. Nur schon aufgrund unserer Ausbildung dürfte diese Patienten in etwas gleich behandelt und abgeklärt sowie nachkontrolliert werden. Oder behandelt ihr die Patienten mit Diabetes alle nur bei Bedarf? Sicher nicht. Wir bilden uns ja alle fort und wenden tagtäglich Guidelines an. Hier stört mich der etwas belehrende Ton, man müsse hier endlich Struktur reinbringen, das stimmt so einfach nicht. Zudem sollten die chronisch kranken besser definiert werden. Anstatt immer von Überbegriffen (chronisch kranke) zu reden, sollte konkret -gerade in einem Artikel der so ein Progrtamm vorstellt-anhand von Beispielen argumentiert werden. Auch wird vergessen, dass wenn wir alle uns ständig strikte an die Guidelines halten würden, die Kosten noch mehr aus dem Ruder laufen würden, da kann man noch lange argumentieren, das Kosten eingespart würden, wenn die Guidelines eingehalten würden, wenn aber mit den Mehrkosten der Taxpubnkt wieder gesenkt wird, stehen wir wieder am Anfang. Aber wie gesagt, prinzipell ist die Idee gut...

PES
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Re: Ist das Rad nicht bereits erfunden?

Beitrag von PES » Di 1. Feb 2011, 22:17

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eigentlich machen unsere gutausgebildeten MPA's - die sich fortbilden, wie wir auch - das alles schon. Sie nehmen unter unserer Aufsicht und Anleitung vielerlei Aufgaben bei der Betreuung unserer Patienten wahr. Wir arbeiten nur nicht ganz so "strukturiert", wie das hier postuliert wird. Ich muss Peter Sigg zustimmen:
Hier stört mich der etwas belehrende Ton, man müsse hier endlich Struktur reinbringen, das stimmt so einfach nicht.

Woher kommt eigentlich diese Strukturgläubigkeit? Strukturen können gedanklich ganz schön einengen, wenn rasches Umdenken gefordert ist, um einer Situation gerecht zu werden. Wofür steht der Ausdruck Futuro, wenn das hier Postulierte bereits Gegenwart ist?
"Chronic disease Programme"? Es braucht keinerlei zusätzliche Guidelines, kein zusätzliches administratives Papier!
Um S. Lüscher zu zitieren (2. August 2010 im Thread "Aufgewertete MPA ..."):
Ich bin skeptisch, dass am Schluss Besseres herausschauen wird als mehr Bürokratie und Umtriebe, weil die Weiterbildung der MPA dokumentiert, akkreditiert und "auf Verlangen vorzuweisen" sein wird. Heute ist es ja faktisch so, dass die MPA delegierte Tätigkeiten ausführt und wir uns die Freiheit herausnehmen, beim Abrechnen (mangels tauglicher Tarifierung) einen "fairen Preis" zu berechnen. Warum lassen wir's nicht einfach wie es ist?

P. E. Schlageter

Erich Honegger

Re: Das Futuro-Betreuungsprogramm: DIE Lösung

Beitrag von Erich Honegger » Mo 28. Feb 2011, 21:57

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich hatte die Chance, frühzeitig die futuro-Idee kennen zu lernen und deren Entwicklung im weiteren Verlauf mitverfolgen zu dürfen. Ich finde sie eine Notwendigkeit, wenn wir nicht nur einmal mehr davon reden, sondern auch danach handeln wollen, dass wir zum einen unsere GV-Aufgaben weiterhin in unseren kompetenten Händen behalten und uns andererseits auch entlasten wollen (ein schlichtes MUSS)!

Wenn wir die Kompetenzen unserer MPA im Chronic Care Management besser einsetzen wollen, sind gerade klare Rahmenbedingungen und Abläufe notwendig (ob man das nun Strukturen nennt oder nicht...), damit deren Arbeit nicht in der Grauzone des Halb- bis Illegalen (selbst-konstruierte Abrechnungsumwege wg. fehlendem korrektem Entgelt für eine besondere Leistung) resp. des Selbstverständlichen ("das haben sie ja schon immer gemacht und gilt als vorausgesetzt und inbegriffen...") untergeht. Aber alle, auch Urs Zanoni, sind sich bewusst, dass eine korrekte und adäquate Finanzierung ebenso ein MUSS ist. Und UZ hat gute Ideen in diese Richtung. Es wird sich weisen, ob dafür eine "Allianz der Motivierten" von Versicherern und Leistungserbringern zustande kommt.

Bleiben wir dran an den guten Ideen, die wir selber entwickeln, sonst werden wir gezwungen sein, die schlechten vollziehen zu müssen, die andere uns aufoktroyieren!

Gruss

Erich Honegger

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