Guidelines Hypertonie "mednetbern"

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Guidelines Hypertonie "mednetbern"

Beitrag von markus.gnaedinger » Mo 5. Sep 2011, 12:13

Die Mitglieder des Netzwerks "mednetbern" haben sich auf Guidlines zur Abklärung und Behandlung der Hypertonie geeinigt und dies in der aktuellen Ausgabe von PimaryCare publiziert:

http://www.primary-care.ch/pdf_d/2011/2011-16/2011-16-207.PDF.

Herausgekommen ist eine konzise Handlungsanweisung, die sich allerdings nur in unwesentlichen Punkten von jener der Hypertoniegesellschaft unterscheidet.

Interessant ist auch der beschriebene Prozess wie das Netzwerk die (verbindliche) Richtlinie erarbeitet hat.

Schade finde ich das Weglassen des Augenfundus (auch wenn ich - mea culpa - diese Untersuchung kaum mehr selber praktiziere). So können hypertensive Veränderungen im Fundus auf eine "maskierte" Hypertonie hindeuten, die durch reines Messen der Praxisblutdruckwerte verpasst würde.

Die Liste der "therapierefraktären Hypertonien" würde ich gerne ergänzen durch die berüchtigten "As".

  • Adhearance (Compliance) [wurde erwähnt]
  • Antidepressiva
  • Analgetika (insb. NSAID)
  • Adipositas
  • Apnoea (nächtliche Schlafapnoe)
  • Alcool

Wie erwähnt, kann der Lakrize-Abusus ebenfalls eine Hypertonie unterhalten. Auch der Kochsalzkonsum sollte unter die Lupe genommen werden. Und schliesslich sind da die seltenen, aber innerhalb der Gruppe der therapierefraktären Hypertonien doch relevanten Ursachen für eine sekundäre Hypertonie wie Conn-Adenom, Cushing oder Nierenarterienstenose, zu suchen insbesondere bei Jüngeren ohne familiäre Belastung für die essenzielle Hypertonie.

Noch ein Wort zu der vorgeschlagenen Medikamentenliste:
Das Indapamid wird gerne auch als 1.5 mg Retardpräparat verordnet. Ich würde diese Formulierung und nicht das nicht-retardierte 2.5 mg in die Auswahl nehmen.
Bei den Betablockern erstaunt die Aufnahme von Atenolol statt dem stärker beta1-selektiven Bisoprolol, das auch bessere Studiendaten hat.
Bei den Sartanen dürfte man auch das gut dokumentierte und nun generisch verfügbare Valsartan erwähnen.

Schliesslich fehlt mir der Hinweis auf den Nutzen einer frühen (niedrig dosierten) Kombinationstherapie, wenn möglich in einer Kombipille, um die Compliance zu verbessern.

Ansonsten habe ich mich gefreut, diesen Artikel zu lesen und hoffe auf "Nachahmungs-Täter"!

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