(Haus)-ÄrztInnen auf dem "Sozius"

Artikel der Zeitschrift "Primary and Hospital Care" können nun direkt dort diskutiert werden.

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markus.gnaedinger
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(Haus)-ÄrztInnen auf dem "Sozius"

Beitrag von markus.gnaedinger » Fr 6. Jan 2012, 07:47

Die in der Posterpräsentation prämierte Arbeit von Luis Litschgi wurde nun in PrimaryCare vorgestellt.

Er und seine KollegInnen haben 80 Fälle zusammengestellt, in denen die PatientInnen weniger (2/3) oder mehr/andere (1/3) Medizin wollten, als die betreuenden HausärztInnen. Meist kam es dabei recht gut heraus.

Schade ist, dass man nicht weiss, ob diese Fallserien prospektiv gesammelt worden sind, und ob wirklich auch alle negativ herausgekommenen Fälle (z.B. Arztwechsel, Todesfall, bleibender Schaden) in die Serie eingeflossen sind.

Ich selber hatte in letzter Zeit mehrfach probleme mit Patienten aus dem Balkan, die sich wegen einer Diskushernie mit Wurzelkompression hätten operieren lassen sollen. Der Grund zur Verweigerung war jeweils: "Der Arzt kann mir keine Garantie geben, dass es nachher besser wird." und: "Ich habe Angst vor diesem Eingriff". Der eine Patient bezieht inzwischen eine IV-Rente, seine Symptome haben sich inzwischen deutlich ausgeweitet. Der andere Fall ist noch frisch, so dass ich den Outcome noch nicht weiss.

Lesen Sie unter: http://www.primary-care.ch/pdf_d/2012/2012-01/2012-01-307.PDF

Litschgi
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Re: (Haus)-ÄrztInnen auf dem "Sozius"

Beitrag von Litschgi » Sa 25. Feb 2012, 12:30

Danke für die kritischen Zusatzfragen von Hernn Gnädinger. Die Studie wurde Prospektiv durchgeführt und alle Fälle über 1 bis 6 Jahre verfolgt. Somit sind Todesfälle (1 vermeidbarer) udn Arztwechsel (keiner) miterfasst.
Mit männlichen Patienten aus dem Balkan mache ich ehr ähnliche Erfahrungen. Sie haben grosse Angst vor Rückenoperationen und meiden diese auch bei klaren Indikationskriterien. Der Out come bei meinen so gelagerten Fällen ist weniger negativ. Einer hat 10 Jahre weiter gearbeitet, er konnte an seinem Arbeitsplatz im Tiefbau eine etwas führende Rolle übernehmen und war so weniger belastet. 10 jahre später wurde sein Job gestrichen und er wurde Vollinvalide. Ein anderer Fall ist bei mir auch noch zu frisch.

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