Fusion SGAM/SGIM? Viele Wege führen nach Rom ...

Artikel der Zeitschrift "Primary and Hospital Care" können nun direkt dort diskutiert werden.

Moderator: markus.gnaedinger

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markus.gnaedinger
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Fusion SGAM/SGIM? Viele Wege führen nach Rom ...

Beitrag von markus.gnaedinger » Mo 12. Mär 2007, 13:44

Viele Wege führen nach Rom ...
Marc Müller: http://www.primary-care.ch/pdf/2007/2007-09/2007-09-060.PDF

Fusion SGIM/SGAM Aussagen korrigiert / präszisiert!
Im Editorial PrimaryCare Nr 9/2007 finden sich ebenfalls die Statementes der SGIM: http://www.primary-care.ch/pdf/2007/2007-09/2007-09-112.PDF und und der SGAM: http://www.primary-care.ch/pdf/2007/2007-09/2007-09-116.PDF.
Lesen Sie bitte auch im ürsprünglichen Forumsthema: http://www.forum-hausarztmedizin.ch/bb/viewtopic.php?t=136.

fmarty
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Beitrag von fmarty » Mi 14. Mär 2007, 07:55

Zum Edito von Marc Müller
http://www.primary-care.ch/pdf/2007/200 ... 09-060.PDF

Kommentar zu zwei Punkten im Edito:

1) "Auf europäischem Parkett wird nach unseren Kenntnissen bis 2008 die
EU-Richtlinie 2005­36 umgesetzt werden, welche eine weitere Reduktion
der europäisch anerkannten Facharzttitel bringen wird. Die Zukunft
des Facharztes für Allgemeinmedizin ist dadurch in Frage gestellt."


Das suggeriert für mich in der aktuellen politischen Situation ein
'Auslaufmodell SGAM' ohne Verweis auf was denn sein soll oder kann.
Für mich als Leser gibt ein solches statement der Politik klar den Eindruck, dass wir nicht wissen, wohin wir wollen.


2) "Wie dieser gemeinsame Titel dereinst heissen solle, blieb offen. Klar ist nur, dass dieser Titel unbedingt europakonform sein muss, Neukreationen wie «Facharzt für Hausarztmedizin» oder ähnliche kommen also (leider) nicht in Frage."

Einen europakonformen Titel 'Hausarzt' im Sinne der WONCA-Definitionen gibt es nicht. Die Definition der Facharzttitel erfolgte vermutlich vor der Verabschiedung der europäischen WONCA-Definitionen. Der gemeinsame Nenner für die verschiedenen Gesundheitssystemen der EU-Länder mündete in den Eurodoc mit mindestens 2-jähriger (ab 1.1.06 3-jähriger) Ausbildung.
In praktisch allen EU-Ländern wird der Facharzt für Hausarztmedizin national geregelt, siehe z.B. England mit 'Being a General Practitioner'
Die Engländer bauen ihr General Practitioner ganz klar, überlegt und resolut, andere nordeuropäische Länder werden das gleich halten. Ich meine es ist eine Frage der Zeit, bis die EU einen Facharzt für Hausarztmedizin definieren wird.

Aus diesem Grunde müssen und können wir mit einem 'Facharzt für Hausarztmedizin' vorwärts machen, die Holländer leben z.B. auch mit dem Titel 'Huisarts' und der Verband heisst 'Nederlands Huisartsen Genootschap'.
Klar scheint mir, dass der zukünftige Hausarzt in der Schweiz nicht Facharzt Allgemeinmedizin heissen soll, weil es sonst zu Verwechslungen mit 'Die besondere Ausbildung der Allgemeinmedizin'(1), dem EU-Eurodoc, kommt.

Löst die Bremsen und segelt auf Kurs!



Referenzen

1) Richtlinie 2005/36/EG
http://eur-lex.europa.eu/JOHtml.do?uri= ... OM:DE:HTML
dort unter 22
"Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen"

Die relevanten Stellen im Dokument
- Auf Seite 18 'Die besondere Ausbildung der Allgemeinmedizin' (Eurodoc), ab 1.1.06 Wechsel von 2 auf 3 Jahre (Punkt 2) - Die Fachärzte sind ab Seite 60 aufgeführt, ab Seite 62 beginnen die Fachärzte mit Anästhesiologie bis Seite 88 Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Ich zähle, ohne die Zahnärzte, 50 Facharzttitel
- Auf Seite 89 wird gelistet, welchen 'Ausbildungsnachweis für den
Allgemeinmediziner' die heutigen EU-Länder fordern (d.h dieser Punkt wird in praktisch allen Ländern national geregelt.
Zuletzt geändert von fmarty am Mo 2. Apr 2007, 14:04, insgesamt 3-mal geändert.

Schilling Gerhard
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Beitrag von Schilling Gerhard » Mi 14. Mär 2007, 08:33

Ich bin auch dezidiert der Meinung, dass wir hier (in diesem Falle) nicht in vorauseilendem Gehorsam auf eine vielleicht einmal kommende EU Norm warten und uns ausrichten müssen. Sollte es dann doch einmal soweit kommen, ist eine nationale Umwandlung doch kein Problem.

Vor allem aber:
Die Hausarztmedizin in der Schweiz unterscheidet sich wesentlich von derjenigen im Ausland!
Wir machen mit unserem Röntgen, Labor etc eine so viel umfassendere Hausarztmedizin als zum Teil im Ausland, wo unsere Kollegen (leider) vorwiegend nur noch triagieren dürfen. Im Vergleich mit zB Italien sind unsere Praxen "kleine Bezirksspitäler"! Allein schon aus diesem Grund dürfen und müssen wir einen Alleingang wagen. Wir wollen unseren Standard und unsere Vielseitigkeit bewahren.

Also: Handeln wir endlich mutig, selbstbewusst und rasch!!!

(siehe auch Diskussion "Hausarzt FMH" unter Politik: http://www.forum-hausarztmedizin.ch/bb/ ... .php?t=136)
Zuletzt geändert von Schilling Gerhard am Do 15. Mär 2007, 08:55, insgesamt 1-mal geändert.

PES
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Eurodoc

Beitrag von PES » Do 15. Mär 2007, 00:13

Schilling Gerhard hat geschrieben:Ich bin auch dezidiert der Meinung, dass wir hier (in diesem Falle) nicht in vorauseilendem Gehorsam auf eine vielleicht einmal kommende EU Norm warten und uns ausrichten müssen.

Vor allem aber:
Die Hausarztmedizin in der Schweiz unterscheidet sich wesentlich von derjenigen im Ausland!
Wir machen mit unserem Röntgen, Labor etc eine so viel umfassendere Hausarztmedizin als zum Teil im Ausland, wo unsere Kollegen (leider) vorwiegend nur noch triagieren dürfen. [/b]



Lieber Herr Marty, lieber Herr Schilling,

genau das ist mir ein grosses Anliegen!
Es liegt nicht im Interesse der schweizerischen Bevölkerung, dass die Hausärzte in der Schweiz auf das bescheidene Niveau eines Eurodoc normiert werden. Die Leute würden das auch nie akzeptieren, sie sind einen anderen Standard gewohnt. Wir müssen unsere Titel und Ausbildungswege selbst definieren. Wir können nicht zulassen, dass unsere Kompetenzen noch weiter eingeschränkt werden. Ich will keine "3-Blöckli-Medizin", wie das ein Kollege im Forum andernorts geschildert hat!

Verschiedene EU-Mitgliedstaaten (das UK, die nordischen Staaten, Frankreich und Deutschland) werden sich in diesem sensiblen Bereich von niemandem dreinreden lassen, trotz bescheidener Versorgungsqualität und langen Wartelisten für dringende Eingriffe (was zum "Export" von Patienten ins Ausland führt - gelegentlich werden die Wartelisten auch durch Todesfälle entlastet).
Wir haben allen Grund, die umfassende Hausarztmedizin in unserem Land zu erhalten. Schliesslich werden wir alle auch einmal Patienten und brauchen dannzumal einen guten Hausarzt!

Es besteht nie Anlass für vorauseilenden Gehorsam!
Der wird nämlich nie honoriert! Aber man muss sich vorsehen, was Gesundheitspolitiker, Versicherer und Ökonomen so im Schilde führen!

Peter E. Schlageter

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