Dringlichkeitspauschale F (PC 2008;8: Nr. 5 85-7)

Artikel der Zeitschrift "Primary and Hospital Care" können nun direkt dort diskutiert werden.

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Dringlichkeitspauschale F (PC 2008;8: Nr. 5 85-7)

Beitrag von Lüscher » Sa 22. Mär 2008, 10:55

http://www.primary-care.ch/pdf_d/2008/2008-05/2008-05-383.PDF

Verdienstvoll, sowohl die Erhebung, die ja zusätzliche Arbeit für KollegInnen generiert hat, die sich eher über mangelnde Freizeit denn über Mangel an beruflichen Betätigungsmöglichkeiten beklagen könnten - als auch die Interpretation der Resultate, die neben den Zahlen auch Haltungen und Konsequenzen umsichtig und sachlich thematisiert.

Fragen bleiben: Wenn die Einführung der Pauschale F kostenneutral sein sollte und im untersuchten Kollektiv ein Umsatzrückgang festzustellen ist, wo findet sich die Differenz? Sind es KollegInnen in anderen Praxissituationen? Oder sind es am Ende sogar Kassen und PatientInnen?

Auskunft darüber könnten Trust Centers (schneller, etwas grössere Unschärfe) und/oder santésuisse (ab Mitte 2008 dürften die Zahlen in auswertbarer Form verfügbar sein) liefern.

Eine solide und ehrliche Antwort auf diese Frage ist natürlich v.a. (standes-)politisch brisant. Wer hat den Mut, unter Inkaufnahme der bürokratischen Hürden die Antworten aus dem dunklen Gestrüpp der real existierenden Datensammlungen zu holen und ans Licht zu bringen?

markus.gnaedinger
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Erster Antwortversuch

Beitrag von markus.gnaedinger » Do 3. Apr 2008, 20:32

Lieber Severin

Danke für deine Kommentare.

Zuerst zur Arbeitsbelastung durch die Studie: Wir haben diese Untersuchung zur Dringlichkeitspauschale F an eine bereits laufende Studie zu einer Dienstkreisfusion und zur nächtlichen Vortriagierung des Notfalldienstes durch ein Callcenter angehängt, sodass für die Praxen lediglich zweimal 10 Minuten notwendig waren zur Erstellung der Zweimonatsauswertungen durch die Praxissoftware. Ganz im Gegensatz dazu steht der Aufwand, den wir von der Studienleitung hatten, bis wir die Arbeit nach diversen Malen Umschreiben in der vorliegenden Fassung einreichen konnten.

Zur Kostenneutralität: Wir wissen nicht, ob die Dringlichkeitspauschale wirklich kostenneutral eingeführt werden konnte. Auch die Trustcenteranalysen werden das nicht konklusiv beurteilen können, da zu viele Variablen miteinander interagieren und das Trustcenter ja auch nicht weiss, ob eine Leistung in- oder ausserhalb des Notfalldienstes erbracht worden ist. Zudem ist man beim Trustcenter bisher nicht daran gegangen, die Rechungsdaten separat nach Wochentagen (i.e. Sonntage) zu analysieren, mangels entsprechendem Auftrag unserer Fachgesellschaften. Schliesslich sind unsere Daten in dem Sinne präzisiser als jene des Trustcenters, zumal nur jene Sonntagsberatungen in die Analyse aufgenommen worden sind, die nicht schon am Vortag vereinbart worden waren.

In meiner früheren Kampfschrift "Expresskonsultation ade!" in der Ärztezeitung habe ich eine robuste Neuordnung der Notfalltaxen vorgeschlagen (http://www.saez.ch/pdf_d/2006/2006-48/2006-48-1103.PDF):
  • A: 40 TP; innert 1 Stunde.
  • B: 80 TP plus 50 % auf AL; kann nicht warten bis zur nächsten Routine.
  • C: 160 TP plus 100 % auf AL; muss zwischen 22 und 7 h gesehen werden.

Es ist mir sehr wohl bewusst, dass dies zu einer Volumenzunahme der verrechneten Notfalltaxpunkte führen könnte, ich bin aber der Meinung, dass man ein allgemeines Absinken des Taxpunktwertes um 1 Punkt zur Finanzierung unserer Notfalleinsätze durchaus erwägen sollte, würde mehr bringen als die Notfalldienstersatzabgaben jener, die den Notfalldienst nicht leisten können oder sich drücken wollen!

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Beitrag von Lüscher » Fr 4. Apr 2008, 11:41

Wenn ich die Ausführungen zur Ueberprüfbarkeit der KN richtig verstehe, dann heisst dies, dass die KN auf der Stufe einzelner Leistungen weder messbar ist noch Sinn macht.
Aber dann sollten wir definitiv damit aufhören, in Diskussionen und Verhandlungen immer auch noch auf die KN zu schielen. Denn wenn die Gesamtkosten steigen, sinkt einfach der Taxpunkt. D.h. man sollte diesen Mechanismus frei spielen lassen und nicht in einzelnen Teilbereichen wie den Notfalltaxen mögliche Veränderungen zu antizipieren versuchen, denn das macht nur die Leute konfus.
Wer hat den Mut zu sagen, die KN ist ein Phantom, welches lediglich zur Disziplinierung der jeweiligen Verlierer dient und den Politikern als Scheinargument, dass man ja etwas tue gegen die Kostensteigerung - aber dass wir Grundversorger nicht gewillt sind, in unserem eigenen Bereich kostenneutral zu bleiben?!

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Beitrag von Urs Enggist » Mo 5. Mai 2008, 07:08

Lieber Markus...wer soll solches Durchsetzen? Wenigstens kommt nun die Umfrage im SGIM....ein starker Verband soll her! Die SGAM hätte auch noch eine Aufgabe: Umfrage zu machen, wer von den Grundversorgern hat die diesjährige Plastic-Sack-1-April-Aktion wirklich gut gefunden??
Meine "Kleinst-Umfrage-Erhebung" war für die Aktion alles andere als "erbaulich"!!

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Beitrag von Lüscher » Mo 5. Mai 2008, 07:34

Das Problem ist nicht, dass einige, viele, fast alle die Plastiksack-Aktion nicht das Gelbe vom Ei gefunden haben, sondern dass diese Kritiker keinen Funken Fantasie entwickeln, was denn sonst noch als Eintages-Aktion durchführbar, von der Basis breit akzeptiert und PR-wirksam wäre!

Wir brauchen aber auch für nächstes Jahr wieder Ideen, und ich freue mich auf die Verlautbarung des SGAM-Vorstandes, dass man von 500 Vorschlägen überrollt worden sei und jetzt schaue, welche als erste umgesetzt würden!

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