Diagnosen in Spitalberichten

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Lüthi
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Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von Lüthi » Di 4. Dez 2012, 07:10

Woher kommt eigentlich die Mode in Spitalberichten Diagnosen mit den dazu führenden Befunden (letztere teilweise über Jahre mitgeführt) mittlerweile seitenlang aufzuführen (teilweise so, dass relevante aktuelle Diagnosen unterzugehen drohen).
Und warum werden die ebenfalls in der Liste aufgeführten und teils extensiven Unterlisten von Differentialdiagnosen oft kaum mehr in einer Beurteilung gewertet bzw. diese einfach dem geneigten Leser überlassen?

Oder bin ich der einzige, der damit etwas Mühe hat?

dhoehener
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von dhoehener » Mi 5. Dez 2012, 20:35

seit unter der ägide der sgim der fmh-schwerpunkt "konsilienkoordination und patientendokumentation" lanciert wurde, haben sich die meisten grösseren internistischen kliniken als entsprechende ausbildungorte akkreditieren lassen. verlangt werden ja dort neben dem besuch des dreiwöchigen drg-kurses für assistenten mindestens 130 anschläge pro minute im 10-fingersystem sowie codieren von mind. 75 icd-10 diagnosen pro stunde. entsprechend zeigen sich nun die früchte dieser arbeit mit deutlich verbesserten austritsberichten.

die differentialdiagnoselisten werden zur fallgewichtoptimierung nach drg übrigens von der spitalsoftware unter benützung der herold-datenstammes direkt bei eintritt generiert und entsprechende laboruntersuchungen und bildgebungen automatisch angemeldet. die befunde kommen dann ebenfalls automatisch in die diagnoseliste. zudem werden gezielt vorschläge für mögliche konsilien gemacht. somit erübrigen sich auch entsprechende würdigungen im abschnitt "beurteilung."

Eva Kaiser
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von Eva Kaiser » Mi 5. Dez 2012, 20:44

Mensch, das ist ja toll, was der Computer alles kann. Dann müssen ja die Assistenzärzte garnicht mehr selber denken! Wie praktisch!
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

Urs Enggist
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von Urs Enggist » Do 6. Dez 2012, 06:57

Hier wäre es interessant, was ein Medizin-Jurist zu den vielen mitgeschleiften "Fehldiagnosen" sagen würde, solange es aus einem Spital kommt....und 3 Unterschriften drauf sind...passiert dem AA/der AAe eher nichts, wie steht es aber diesbezüglich mit dem Leitenden Arzt/Chefarzt...ich habe angefangen die Hauptprobleme zu markieren...auch in den PDF!

Lüthi
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von Lüthi » Do 6. Dez 2012, 07:24

Dann würde ich doch vorschlagen, auf eine Diagnoseliste zu verzichten und in diesem Abschnitt direkt auf den "Siegenthaler" oder den "Harrison" zu verlinken !

Martin Bösch
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von Martin Bösch » Fr 21. Dez 2012, 11:05

Wir haben das im Kanton Schaffhausen mit den spitalverantwortlichen Kollegen schon durchgekaut.
Offenbar ist es so, dass im Zeitalter der DRG schon einmal jede Nebendiagnose in den Austrittsbericht muss, um alles (d.h. die aufgrund von Comorbiditäten aufwendigere Betreuung) abzurechnen. Nebendiagnosen auf einem Zusatzblatt werden nicht akzeptiert (wäre unser Vorschlag gewesen).

Da geht unser Dank wieder einmal ans Bundesamt für Gesundheitswesen und die Krankenkassen, die diesen Stuss wohl einmal mehr ohne Einbezug eines Praktikers beschlossen haben.

Onkologischerseits bin ich nicht unglücklich, das primäre TNM, drei Worte zur Histologie und die wichtigsten Therapie (St. n. 6xCHOP xx/2012-xx/2012 und Remissionsstatus erwähnt zu haben - manchmal steht dann auch nur lapidar MammaCa dort...

Lieber Gruss Martin Bösch

hegujer
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Re: Diagnosen in Spitalberichten

Beitrag von hegujer » Di 25. Dez 2012, 13:45

Dies ist die Fortsetzung unseres Sezierkurses im 2.Studienjahr! Der Patient wird im Spital seziert... Der hausärztliche Grundauftrag liegt dazu diametral auf der anderen Seite: wir bemühen uns, Patienten zusammenzusetzen, ganz zu behalten!
H.Gujer

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