Wie sieht die Tablette X eigentlich aus?

Qualitätssicherung, Fortbildung, Forschung in der Hausarztpraxis / Assurances qualités, formation continue, recherche en médecine de famille

Moderator: Lüscher

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Die naturalistische Abbildung pharmazeutischer Spezialitäten auf der Packung und im Kompendium sollte als Standard vorgeschrieben werden

Umfrage endete am Mo 5. Sep 2005, 10:10

Ja
5
83%
Nein
1
17%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6

Lüscher
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Wie sieht die Tablette X eigentlich aus?

Beitrag von Lüscher » Do 7. Jul 2005, 10:10

"Galenische Formenbeschreibung" nennt sich das wohl auf pharmazeutisch: eine Abbildung, am besten farbecht und im Massstab 1:1, der pharmazeutischen Spezialitäten. Aus meiner Sicht sollte dies z.B. im Kompendium eine absolute Selbstverständlichkeit sein, sowohl in print als auch online.

Als nicht SD-Arzt habe ich sonst einfach nicht die Chance, mir z.B. über die Teilbarkeit von Tabletten ein eigenes Bild zu machen (gerade bei Generika gibt es ja mit und ohne Rille ...).

Weiss jemand, ob eine solche Quelle kostenlos und online bereits existiert?

markus.gnaedinger
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Internet ist für die Problemlösung ideal

Beitrag von markus.gnaedinger » Do 7. Jul 2005, 11:26

Nicht nur für rezeptierende, auch für DMA-ÄrztInnen sind nicht zuzuordnende Tabletten ein Problem. Früher wurde, unter nicht unterheblichen Kosten von documed das Heft "Identa" (letzte Ausgabe 2002) herausgegeben mit Faksimilie-Abbildungen der Tabletten.

Eine gute Abbildung braucht allerdings auch ein spezielles Papier. Dadurch würde das Kompendium viel dicker, schwerer und teurer. Eine gute Lösung wäre, wenn die elektronische Fassung des Kompendiums und die stets aktualisierte Datei auf der Internet-Site mit dem Bildchen ausgerüstet wäre. Dies wäre dann auch ein Argument, dass verschiedene KollegInnen auf die teurere Papierversion verzichten würden...

etzel.gysling
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Warum nicht Pflicht?

Beitrag von etzel.gysling » Do 7. Jul 2005, 22:53

Man kann sich natürlich fragen, warum es nicht eine - von der Swissmedic geforderte - Pflichtleistung der Arzneimittelhersteller ist, ein "identa"-System zur Verfügung zu stellen. Vielleicht fordern wir ganz einfach zu wenig.
Für die in der CH erhältlichen Medikamente gibt es zur Zeit keine wirklich brauchbare Identifikations-Datenbank. In Deutschland steht via Gelbe Liste/Pharmindex (www.gelbe.liste.de) ein identa-System zur Verfügung, nicht übertrieben praktisch in der Anwendung, und natürlich mit unzähligen deutschen Generika überhäuft. Dieses System ist aber auch von der Schweiz aus zugänglich; man braucht ein DocCheck-Passwort (kostenlos).

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Interaktionen prüfen neu kostenpflichtig

Beitrag von Beriger Jürg » Fr 8. Jul 2005, 07:43

Da wäre noch einiges zu machen. Ich denke auch an die Interaktionsprüfung, die bis vor kurzem via pharmavista kostenlos zur Verfügung stand und neu mit Passwortschutz gesperrt ist, es sei denn man zahle jährliche Abonnementsgebühren in 3-4 stelliger Höhe.
Auch hier sehe ich eine Pflicht der Pharmaindustrie, diese absolut notwendigen Daten kostenlos zur Verfügung zu stellen !

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Beitrag von Lüscher » Fr 8. Jul 2005, 13:20

Nachtrag der Vollständigkeit halber: Meines Wissens waren im identa, Schweizer Ausgabe, nie alle Spezialitäten verzeichnet, einige im Kompendium enthaltene Medi bzw. ganze Gammen bestimmter Firmen fehlten ganz einfach (so wie ja auch das Kompendium keine vollständige Liste der zugelassenen Spezialitäten, sondern eine gut institutionalisierte, gebundene Sammlung von Beipackzetteln ist, die früher einmal von der - zahlenden und befehlenden - Pharmaindustrie als Dienstleistung zur Verfügung gestellt wurde).

Ich denke auch, dass hier Regelungsbedarf besteht, evt. verknüpft mit politischen Kompromissen im Stil von: Entweder Parallelimporte freigeben oder eine saubere Uebersicht über die in der CH zugelassenen Spezialitäten inkl. brauchbare Bildli, auf Kosten der Pharma und für Publikum und professionelle Benützer kostenlos, mit Haftpflicht der Pharma für Unterlassungen, voilà. Welcher Politiker nimmt dieses Anliegen auf?

Lüscher
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eHealth und Medikamentensicherheit

Beitrag von Lüscher » Sa 12. Aug 2006, 09:12

Ich entwickle den Gedanken, dass die Pharmaindustrie im Rahmen einer umfassenden Medikamentensicherheit in die Pflicht genommen werden muss, noch etwas weiter:

Im Zusammenhang mit der Entwicklung von eHealth wird eine systematische Interaktionsprüfung bei Verordnung früher oder später Standard sein müssen und von Patienten, Versicherern und wahrscheinlich auch Gerichten eingefordert werden. So wie die Dinge heute liegen, riskieren wir Verschreibende, nicht nur für Fehler bei der Verordnung haften zu müssen, sondern auch die Richtigkeit und Vollständigkeit der elektronisch verfügbaren Informationen über Interaktionen und Nebenwirkungen in jedem Fall selber verifizieren zu müssen.

Die Institution bzw. Behörde, welche in der Schweiz für diese Fragen zuständig ist, ist Swissmedic. Wenn es konkrete Probleme gibt, argumentieren diese Leute meist legalistisch (vgl. http://www.forum-hausarztmedizin.ch/bb/viewtopic.php?t=221&highlight=ampulle%2A).

Also müssten wir die Mühe auf uns nehmen, dem Gesetzgeber zu erklären, wie dieser eminent wichtige Aspekt zukünftig funktionieren muss.

Mein Vorschlag ist ganz einfach: Die Pharmaindustrie, welche uns alle diese potenziell gefährlichen Substanzen zur Verfügung stellt, liefert mit den Registrierungsunterlagen und jederzeit bei Bekanntwerden relevanter Tatsachen die nötigen Informationen an Swissmedic und finanziert eine durch Swissmedic betriebene Online-Datenbank, welche als verbindlicher Standard für die Prüfung von Interaktionen erklärt wird. Der Zugriff auf diese Datenbank ist für jedermann frei zugänglich und gratis (nicht nur für AerztInnen und ApothekerInnen, sondern auch für PatientInnen!)

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Re: Identa wieder verfügbar

Beitrag von markus.gnaedinger » Di 15. Mai 2012, 09:45

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Offenbar wird das Identa-Büchlein wieder gedruckt. Man kann es bei Documed zum Preis von Fr. 42.- (Irrtum vorbehalten) bestellen oder sich von einer Ärztebesucherin schenken lassen.

dhoehener
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Re: Wie sieht die Tablette X eigentlich aus?

Beitrag von dhoehener » Di 15. Mai 2012, 20:34

oder einfach auf www.compendium.ch nachschauen, wo sich sowohl "wie sieht tablette x denn aus" als auch "was könnte denn die kleine längliche gelbe mit dem T drauf" sein nun beantworten lässt....

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