Im Hamsterrad der Wissenschaft

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C.Huettenrauch
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Im Hamsterrad der Wissenschaft

Beitrag von C.Huettenrauch » Mo 26. Aug 2019, 17:53

Eine Erklärung und ihr Echo in der Schweiz

Begonnen hat er im Dezember 2012 am Rand der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Zellbiologie in San Francisco

Damals hat sich eine Gruppe von Redaktoren und Herausgebern wissenschaftlicher Zeitschriften getroffen, um über Missstände in der Wissenschaft zu diskutieren. Das Resultat ist eine Erklärung, die bis heute breite Unterstützung findet:
«Ich habe sie als Professor unterschrieben, als Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, schliesslich als Rektor und zuletzt als Präsident der Rektoren schweizerischer Hochschulen», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich und von Hause aus selber Biologe.
Ähnlich äussert sich Matthias Egger, Epidemiologe an der Universität Bern, der als Präsident des Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds an einer Schaltstelle der Forschungsförderung sitzt. Beide haben es mit jungen Wissenschaftern zu tun, die weiterkommen wollen und für die das Sprichwort gilt: «Publish or perish» – publiziere, oder du gehst unter.
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Möglichst viel zu publizieren, das gilt vielen als Königsweg zum Lehrstuhl an einer Universität. Vor allem aber gilt es als karriereförderlich, wenn man es schafft, in den wenigen angesehenen Zeitschriften wie «Nature» oder «Science» unterzukommen. Diese Zeitschriften nun werden auch wieder bewertet.
Ausgezählt wird, was von ihren Beiträgen andernorts zitiert wird. Dieser Impact Factor, entwickelt ursprünglich als Instrument für Bibliothekare, um über den Ankauf wissenschaftlicher Zeitschriften zu entscheiden, ist zum Hilfsmittel geworden, um Beiträge einzelner Forscher einzuschätzen.
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Was, wie Matthias Egger unterstreicht, hochproblematisch ist. «Das Ansehen, das eine Zeitschrift geniesst, sagt nichts über die Originalität eines einzelnen, darin publizierten Beitrags», erklärt er. Die eingangs erwähnte San Francisco Declaration of Research Assessment rät denn auch dringlich dazu, «die Qualität der Forschung selber zu bewerten, und nicht auf Grundlage der Zeitschrift, in der die Forschung veröffentlicht wird».
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Doch ein Kulturwandel ist im Gang, «weg von der Quantifizierung zu den Inhalten und zu dem, was ein Wissenschaftler konkret geleistet hat», erklärt Matthias Egger. Der Nationalfonds habe schon wichtige Schritte in der Umsetzung gemacht. «Wir sind aber noch nicht dort, wo wir sein wollen. Das braucht Zeit. Und es erhöht die Verantwortung der Evaluatoren. Das Zählen war objektiv. Mit dem Beurteilen kommt etwas Subjektives hinein.» Auch die Universität Zürich hat ihre Berufungspraxis verändert. Denn, sagt Michael Hengartner, «so lange die Entscheidungsträger rein quantitativ denken, wird der Publikationsdruck weiter bestehen.»
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Deshalb fordert die Universität bei Berufungen die Bewerber auf, selber ihre drei wichtigsten Publikationen zu nennen, «die wir dann genauer anschauen. Wir senden so das Signal aus: Es kommt nicht auf die Zahl der Publikationen an, und auch nicht auf die Zeitschrift, in der sie publiziert wurden.»
https://www.tagblatt.ch/leben/im-hamste ... ld.1111428

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