Nicht-mehr-dementi

Standespolitik, Tarif, Notfalldienst / Politiques professionelles, tarifs, services d’urgences

Moderator: crohrman

gweirich
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Beitrag von gweirich »

http://www.jzh.ch/de/news/aktuell/aktuell-detailansicht/artikel/das-initiativkomitee-ja-zur-hausarztmedizin-hat-einstimmig-entschieden-seine-volksinitiative-z/

sogar *einstimmig*

Meine Prognose: Das Engagement der Parteien für den eigenen Gegenvorschlag wird nur noch minimal sein, nachdem ja jetzt keine Alternative mehr droht. Und auch Bersets Elan wird nun sehr rasch schwinden, wenn er sieht, wie kompliziert das Umsetzen seiner versprochenen Besserstellung wird.

Aber ich lasse mich natürlich gerne angenehm überraschen. Vielleicht erleben wir ja jetzt wirklich, dass die Politik ohne Druck etwas tut ;)

Ach ja, und die Abstimmungsmaterialien waren ja schon produziert.

evkaiser
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von evkaiser »

gweirich hat geschrieben:Das Engagement der Parteien für den eigenen Gegenvorschlag wird nur noch minimal sein, nachdem ja jetzt keine Alternative mehr droht.

Andererseits war der Handlungsbedarf durch die Reihen aber auch ziemlich unbestritten. Wozu also brauchen wir jetzt noch das Engagement der Parteien? Wir wissen inzwischen doch, dass wir selber mit unserem Engagement viel erreichen können! Arbeiten wir also daran, dass die Bedeutung der Hausarztmedizin innerhalb der Grundversorgung weiterhin so unbestritten bleibt!

gweirich hat geschrieben:Und auch Bersets Elan wird nun sehr rasch schwinden, wenn er sieht, wie kompliziert das Umsetzen seiner versprochenen Besserstellung wird.

Das bezweifele ich stark. Ich denke eher, zum Aerger der Tarifpartner wird der BR beweisen wollen, dass er fähig ist, diese subsidiäre Kompetenz zu übernehmen. Da geht es um seine Ehre! Und Glaubwürdigkeit!

Es ist nun an uns, weiterhin Druck aufzubauen, indem wir jetzt eben so stark für diesen Gegenentwurf kämpfen wie vorher für die Initiative. Dafür lassen sich die Abstimmungsmaterialien, die bereits in der Praxis angekommen sind, sicher nutzen!
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

funk
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von funk »

Druck aufbauen ?
Nachdem erst der Druck abgelassen wurde ?

Ich hoffe SEHR, dass die Gepflogenheiten in der Schweiz bei de Politiker so ganz anders sind als in Deutschland. Dort redet die CDU 3 Tage nach der Wahl schon von Steuererhöhungen.

Es ist mir uverständlich warum die Initiative zurückgezogen wurde.
Ohne Grund wurde das existierende Druckmittel versenkt, weil ein paar Versprechungen geleistet wurden. Berset wird so sicher umfallen wie das Amen in der Kirche kommt.

Am Ende wird stehen: mehr war leider nicht drin.

Trotzdem - die Hoffnung stirbt ja zuletzt
Viele Grüße

Stefan Funk

evkaiser
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von evkaiser »

funk hat geschrieben:Ohne Grund wurde das existierende Druckmittel versenkt, weil ein paar Versprechungen geleistet wurden.


Ich glaube, dass die "Macht einer Volksinitiative" überbewertet wird. Was nützt schon eine gewonnene Initiative, wenn sie danach nicht umgesetzt wird? Wie das z.B. nach wie vor bei der Volksinitiative für Komplemetärmedizin der Fall ist?

Die Initiative "Ja zur Hausarztmedizin" wurde auch ohne Abstimmung gewonnen, sehr schön in der Berner Zeitung von heute zusammengefass (online nicht gefunden, darum aus dem Pressespiegel herauskopiert):


Berner Zeitung vom 28. September 2013
NACHRICHTEN, SEITE 13

Mehr Geld für die Hausärzte

INITIATIVE Der letzte Punkt ist geklärt: Gesundheitsminister Alain Berset sichert den Hausärzten eine finanzielle Besserstellung zu. Damit sehen diese ihre wichtigsten Anliegen erfüllt und ziehen die Initiative zur Stärkung der Hausarztmedizin zurück.

Den Anfang machte eine Demonstration: Am 1.April 2006 war der Bundesplatz mit weissen Kitteln übersät. Über 10000 Menschen gingen für die Hausarztmedizin auf die Strasse, warnten vor einem Ärztemangel und forderten bessere Bedingungen für die Grundversorger. Exakt vier Jahre später doppelten die Hausärzte nach und reichten eine Initiative ein: Sie verlangten in der Verfassung einen Artikel für die Hausarztmedizin. Diese müsse gefördert werden und solle in der Regel die «erste Anlaufstelle» für die Behandlung von Krankheiten sein. Gestern haben die Hausärzte diese Initiative zurückgezogen. In der Zwischenzeit ist viel passiert.

Der Gegenvorschlag

Selten habe eine Initiative so viel ins Rollen gebracht, sagte Gesundheitsminister Alain Berset gestern vor den Medien. Sowohl Bundesrat als auch Parlament teilten zwar die Ansicht, die Hausarztmedizin müsse gestärkt werden. Sie störten sich aber daran, dass mit der Initiative eine einzige Berufsgruppe isoliert betrachtet werde. Vielmehr müsse man die Grundversorgung allgemein fördern, und dazu gehörten verschiedene Fachpersonen und Institutionen. Sie arbeiteten deshalb einen direkten Gegenvorschlag aus, der diese Grundversorgung allgemein stärken soll. Über diesen Vorschlag wird nächstes Jahr abgestimmt.

Die zusätzliche Massnahme

Bundesrat Berset beliess es aber nicht beim Gegenvorschlag. Er lancierte zudem einen Masterplan. Darin nahm er Forderungen der Hausärzte auf und holte verschiedene Akteure an einen Tisch. Gemeinsam sollten sie Lösungen erarbeiten. «Alle zogen für einmal am gleichen Strick und erst noch am gleichen Ende», lobte Carlo Conti, Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, gestern das Vorgehen. Auch die Initianten signalisierten, dass sie sich einen Rückzug der Initiative vorstellen könnten, wenn Masterplan und Gegenvorschlag zustande kommen. Gestern präsentierte Berset die Resultate des Masterplans. Er enthält etwa Verbesserungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung.

Die Pièce de Résistance

Trotz allem Elan zugunsten der Hausärzte zeichnete sich aber schnell die Pièce de Résistance ab: Die Hausärzte verlangten auch ein höheres Einkommen. Zwar konnten sich die Tarifpartner darüber einigen, dass die Hausärzte jährlich 200 Millionen
Franken mehr erhalten sollten. Wie aber diese Besserstellung im Tarifsystem umgesetzt werden soll, darüber verhandelten sie bis am Schluss ergebnislos. Noch gestern warnte Jürg Schlup, Präsident der Ärzteverbindung FMH, vor «isolierten Eingriffen» ins Tarifsystem. Hier ist es nun am Bundesrat, eine Lösung zu finden. Sie soll innerhalb des Tarifsystems kostenneutral sein, es müssen also andere Fachärzte mit einer Schlechterstellung rechnen. Die entsprechende Verordnung soll noch in diesem Jahr in die Anhörung geschickt und bis Mitte 2014 in Kraft gesetzt werden.

Der Rückzug

Ausserdem arbeitet das Departement Berset an höheren Tarifen für Laboranalysen, die Hausärzte häufig verwenden. Mit diesen beiden Vorhaben sehen die Hausärzte auch im finanziellen Bereich ihre Forderungen erfüllt. «Wir haben genügend Absicherungen, dass die finanzielle Besserstellung umgesetzt wird», sagte gestern Peter Tschudi, Präsident des Initiativkomitees. Ausserdem sei er überzeugt, dass auch die Ärzteverbindung FMH die Hausärzte nicht im Regen stehen lassen werde. So seien denn insgesamt die Voraussetzungen geschaffen, den drohenden Hausärztemangel zu stoppen, sagte Tschudi: «Wir haben mehr erreicht, als wir zu hoffen wagten. Wir ziehen die Initiative zurück.»

Brigitte Walser

---

Die Hausärzte haben mehr als den Spatz in der Hand

BZ Kommentar, Redaktorin Brigitte Walser zur Hausarztinitiative

Die Hausärzte haben ihre Initiative zurückgezogen. Ein Zurückkrebsen ist das allerdings nicht, ganz im Gegenteil: Ohne Abstimmung über dieses Volksbegehren erreichen die Hausärzte mehr.

Denn erstens ist nicht klar, ob sie an der Urne gewonnen hätten. Zwar geniessen die Grundversorger grosse Sympathien, und der drohende Hausarztmangel ist in aller Munde. Für die Initiative waren denn auch im Nu mehr als genug Unterschriften beisammen. Doch der Initiativtext barg Tücken. Darin wurde verlangt, dass die Hausarztmedizin die «erste Anlaufstelle» bei Krankheiten sein solle. So vielversprechend so ein generelles Hausarztmodell auch sein könnte; jede Einschränkung der freien Arztwahl hat in der Bevölkerung einen schweren Stand. Dass mit der Initiative ausserdem eine einzelne Berufsgruppe in der Verfassung besonders hervorgehoben werden sollte, wäre unverhältnismässig gewesen.

Zweitens brauchen die Hausärzte die Initiative gar nicht mehr. Viele ihrer Anliegen sind bereits erfüllt. Der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti hat treffend von der «Initiative mit der grössten Vorwirkung» gesprochen. Denn Gesundheitsminister Alain Berset hat schon vor einiger Zeit einen Masterplan zur Stärkung der Hausarztmedizin erstellt. Darin wurden Massnahmen definiert, und viele sind inzwischen umgesetzt.

Nur ein Punkt blieb strittig: Die Hausärzte verlangen ein höheres Einkommen, mindestens 200 Millionen Franken jährlich, das sind überschlagsmässig 25 000 Franken pro Kopf. Niemand bestreitet, dass ihnen diese 200 Millionen zustehen, doch wie die Umverteilung gemacht werden soll, darüber ist man sich nicht einig. Jetzt nimmt Berset das Heft in die Hand. Weil die Umverteilung kostenneutral erfolgen soll, wird das Einkommen der Spezialärzte sinken. Das hilft, die teilweise grossen
Unterschiede zwischen Spezialisten und Hausärzten zu verkleinern.

Trotz dem Rückzug wird sich das Stimmvolk zum Thema äussern können, denn Bundesrat und Parlament haben einen Gegenvorschlag zur Initiative ausgearbeitet. Die Verfassung soll einen Artikel zur medizinischen Grundversorgung erhalten. Er geht in die gleiche Richtung wie jener der Hausärzte. Aber er ist allgemeiner gehalten und wird niemandem weh tun. Trotzdem werden sich die Hausärzte auf ihn berufen können, sollte sich ihr Einkommen nicht verbessern.

© Berner Zeitung
Eva Kaiser, Vorstand mfe «Hausärzte Schweiz»

gschilli
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von gschilli »

Lieber Kollege Funk

da kann ich Sie beruhigen. Wir haben tatsächlich deutlich mehr erreicht, als wir uns je erträumen liessen. Wir haben unser Druckmittel Initiative nicht leichtfertig aus der Hand gegeben, sondern strategisch wohlüberlegt und erst noch einen enormen Goodwil in Bern aufgebaut. Die meisten unserer Forderungen wurden erfüllt. Der Entscheid beruht nicht auf vagen Versprechungen, sondern ist mit verbindlichen Motionen abgesichert! Lesen Sie dann das Sonderheft von PrimaryCare Nr.19, (Erscheinungsdatum 16.10.13), worin viele Hintergrundinformationen enthalten sein werden. Man muss sich in den parlamentarischen Prozessen eben auskennen.

Nur soviel: mit der ev. gewonnenen Initiative (dies wäre gar nicht so sicher, da alle Parteien und Bundesrat in der Gegnerschaft wären), hätten wir bestenfalls einen Verfassungsartikel und sonst noch nichts! (Die Komplementärmedizin-Initiative ist ein ernüchterndes Beispiel dafür). Der ganze Verhandlungsprozess hätte bei null beginnen müssen und wohl kaum ein anderes Resultat als jetzt ergeben. Die Alternative lautete eben immer Initiative ODER Masterplan, beides war nicht zu haben. Jetzt aber mit den konkreten und rasch (bereits 2014!) umsetzbaren Massnahmen des Masterplans und dem direkten Gegenvorschlag haben wir einen ziemlich fetten Spatz in der Hand und müssen keiner davonfliegenden Taube nachtrauern.

funk
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von funk »

Liebe Frau Kollegin,
lieber Kollege,

ich hoffe sehr, dass sie recht haben.
Viele Grüße

Stefan Funk

gweirich
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von gweirich »

Ich denke, es hat keinen Sinn, viel länger über ungelegte Eier zu sprechen. Wir werden (und sollten!) Ende 2014 Rückschau halten können, wie viele von den Lippenbekenntnissen in Realpolitik gegossen, und wie viele an den Widerständen verschiedener Lobbies gescheitert sein werden.

Diese Diskussion hätte man meines Erachtens vor der Entscheidung breit führen sollen. Jetzt lohnt sich die Mühe ja nicht mehr.

tmayer
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von tmayer »

Die Initianten haben sehr gute Arbeit geleistet und politisch ein Maximum erreicht. Ich kann ihnen für die geschickten Verhandlungen nur danken. Schweizer Politik bedeutet Kompromisse und meist ist niemand ganz zufrieden. Ich kann mich den Einschätzungen von Gerhard Schilling und Eva Kaiser nur anschliessen: wir haben mit dem Masterplan ein schnelleres und, soviel sei spekuliert,wohl gleich gutes Ergebnis erreicht, wie wenn wir auf Initiative und nachfolgende Gesetzgebung gewartet hätten.

Der Aufbau einer Lobby in Bern hat sich gelohnt und mit BR Berset hat ein Mann die Leitung der Gesundheitspolitik, der unsere Anliegen versteht, ernst nimmt und politisch mit dem Eingriff in die Tarifstruktur etwas wagt. Nichts mehr von der Hochnäsigkeit eines BR Couchepin. Ich bin in diesem Fall zuversichtlich, dass die Umsetzung klappt und es sich nicht nur um leere Versprechungen handelt. Jetzt ist die FMH gefordert, mit den neuen Tatsachen umzugehen!

Ich bin deshalb nach vielen frustrierenden Jahren erstmals als Hausarzt zuversichtlich!

Thomas Mayer, Degersheim

Urs Enggist
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von Urs Enggist »

Keine grossen (aktuellen) Diskussionen...wir werden sehen....und der Vorstand wird ja hoffentlich den nächsten Druck vorbereiten (wenn es nicht klappen sollte)!

cbernasconi
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von cbernasconi »

Den "fetten Spatz" möchte ich wirklich sehen...Vermutlich aber leidet er an Anorexie im Endstadium...
Wir sind wieder einmal di grossen Verlierer. Wer das nicht einsieht, der hat ganz einfach die letzten Jahre geschlafen, oder vor lauter Bürokram keine Zeit gehabt, die Augen zu öffnen.
Wer wirklich glaubt, dass wir finanziell etwas herausholen werden, ist meines Erachtens ein Idealist ersten Grades, den die Realität aber schon bald einholen wird!

Oder anders gesagt: Ausser Spesen nichts gewesen!

gschilli
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von gschilli »

Lieber Kollege Bernasconi

ohne die Hintergründe und die Fakten zu kennen, sollte man solche Äusserungen lieber nicht machen! Warten sie einmal die Sondernummer von PrimaryCare Nr. 19 ab und informieren Sie sich zuerst. Im übrigen ist Politik die Kunst des Möglichen.

Ich bleibe dabei: wir haben mehr erreicht, als wir je erhofft hatten und - noch wichtiger: die Bedeutung der Hausarztmedizin wurde an vielen Stellen (inkl.BAG) endlich erkannt und anerkannt. Ein Sinneswandel in der Politik ist daher fast das wichtigste Resultat unserer Bemühungen auf lange Sicht.

funk
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von funk »

Liebe Kollegen,

WENN der BR sein Recht wahrnimmt und wirklich ein die Tarifverhandlungen (oder besser Tarifblockaden) eingreift, dann haben wir es mit einem historischen Moment zu tun.
Die Politik entdeckt dann wie toll es ist, wenn sie selbst die Tarifverhandlungen steuert.

Vielleicht fallen beim ersten dieser Eingiffe mal ein paar Brotkrumen für die Hausärzte ab. Diese werden aber sicher den Spezialisten dann weggenommen, denn die Kostenneutralität und Beitragssatzstabilität steht ja über allem. (Warum die Prämien dann doch jedes Jahr steigen ist dann aber nicht klar)

Sicher ist dann aber, dass die Politik dieses Instument noch viele viele Male einsetzen wird. Mal werden die Gynäkologen, mal die Psychiater mal die Gastroenterologen etwas bekommen, das den anderen weggenommen wird.

Politiker sind ja nicht dumm - im Gegenteil - das sind blitzgescheite Leute, die das divide et impera bestens kennen und beherrschen.
Unsere Standesvertreter versuchen da sicher tapfer mitzuhalten, aber sie sind etwas so chancenlos wie der FC Kleinklickersbach gegen Bayern München.
Die mögen auch mal 1:0 führen, aber nach 90 Minuten geht das Spiel dann doch 1:7 für Bayern aus.

Politiker sprechen mit uns nicht aud Augenhöhe, weil wir sind auf Augenhöhe mit ihnen sind. Sie sind uns überlegen und sie wissen das.
Nur WIR haben den Eindruck, dass wir mit ihnen auf Augenhöhe sprechen. DAS ist die Kunst der Politik. Dem schwachen Gegner scheinbar auf Augenhöhe zu begegnen und ihm dann bei der ersten Gelegenhenheit eiskalt über die Klinge springen zu lassen.

Wer der Politik vertraut, hat schon verloren.

Zuerst werden sie einen Keil zwischen Haus- und Fachärzte treiben und dann noch die Fachgruppen und die Hausärzte untereinander aufreiben.
Die Einigkeit der Ärzte (falls es so etwas gibt) ist damit aufgehoben und der kümmerliche Rest kann beliebig manipuliert werden.

Schaut doch bitte mal nach Norden.....alles schon mal da gewesen......das ist die grosse Blaupause für Politiker.
Das Ziel ist ganz klar:
Hausarzt bekommt eine Pauschale von 50 Franken für eine Behandlung im Quartal (3 Moante). Flatrate Doktor.
Die Deppen in Deutschland machen das doch auch. Warum sollten die Schweizer Ärzte so viel mehr bekommen ?
Von dem Eingesparten Geld könnten ja Rentenrückstellungen für Krankenkassenmitarbeiter, oder neue Formulare beschafft werden.
Wenn die Schlinge nur langsam genug zugezogen wird, dann adaptieren die Ärzte sich auch an Sauerstoffsättigungen von unter 50%.

Hoffentlich liege ich falsch !
Viele Grüße

Stefan Funk

gschilli
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von gschilli »

Ich will hier keine grosse Diskussion lostreten, nur soviel:

- Bundesrat Berset wird von seiner subsidiären Kompetenz Gebrauch machen und verordnen, dass wir HA um 200 Mio Franken besser gestellt werden. Macht bei ca 7000 HA immerhin fast Fr. 30'000.-- pro HA (plus zusätzlich bessere Laborvergütung)!

- Die subsidiäre Tarifkompetenz des Bundesrates ist ausschliesslich dann gegeben, wenn sich die Tarifpartner nicht einig werden, was hier der Fall ist. Wenn es die FMH, H+, MTK und Santésuisse schaffen würden, einen fairen, ausgewogenen Tarif zu gestalten, darf der Bundesrat nicht eingreifen.Es liegt also auch etwas an der Ärzteschaft, dass sie den Kuchen korrekt und fair unter sich aufteilt!

- Vertrauen: natürlich sind die Politiker mit allen Wassern gewaschen, dies hat man nun aber auch uns zugeschrieben... Ganz ohne Vertrauen (und selbstverständlich gesetzliche Absicherungen!) geht es aber nie. Wie anders wollen Sie miteinander umgehen? Wir in der Schweiz mit unserer direkten Demokratie haben da doch etwas bessere Voraussetzungen.

cbernasconi
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von cbernasconi »

Lieber Kollege Schilling

ich beneide Sie ehrlich um Ihren Optimismus. Vielleicht kenne ich nicht die Politik, aber leider die Politiker umso mehr. Sicher ist es genau das, was mich eher die Position von Kollege Funk einnehmen lässt. Einem Politiker vertrauen???? Naja, ist ein bisschen wie russisches Roulette...

Des weiteren kann ich mit der Anerkennung der Grundversorger seitens des BAG keine Äpfel kaufen gehen...

Aber ich wäre natürlich überglücklich, wenn Ihnen in einem Jahr recht geben müsste.

funk
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Re: Nicht-mehr-dementi

Beitrag von funk »

"Die subsidiäre Tarifkompetenz des Bundesrates ist ausschliesslich dann gegeben, wenn sich die Tarifpartner nicht einig werden, was hier der Fall ist. Wenn es die FMH, H+, MTK und Santésuisse schaffen würden, einen fairen, ausgewogenen Tarif zu gestalten, darf der Bundesrat nicht eingreifen.Es liegt also auch etwas an der Ärzteschaft, dass sie den Kuchen korrekt und fair unter sich aufteilt!"

Nun wenn also SantéSuisse eine Verweigerungshaltung einnimmt, dann ist eine Einigung ja nicht möglich. Folglich kann der BR immer dann eingreifen, wenn einer der Verhandlungspartner sich eine günstigere Entscheidung durch den BR erhofft, als bei einer Einigung am Verhandlungstisch.

Ich denke, dass man kein Prophet sein muss um zu erkennen, dass der BR eher auf Seiten der Kassen als auf Seiten der Ärzte steht.
Die Kassen repräsentieren einfach mehr Wähler als die paar Ärzte.

Wer glaubt, dass die Ärzteschaft den Kuchen korrekt und fair unter sich aufteilt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Die Kollegialität untereinander ist bei den Finanzen ganz schnell am Ende. Man muss nur mal die Diskussionen erleben, wenn es um die Organisation des Notdienstes geht.
Da gibt es auch keine Kollegialität. Da gilt es lediglich die eigenen Pfründe zu sichern und möglichst viel für sich selbst rauszuholen.

Wer soll denn bitte glauben, dass die Fachärzte uns Grundversorgern, mehr Geld zusprechen, das ihnen dann abgezogen wird.

Da fehlt mir der Glaube......aber ich lasse mir sehr gerne das Gegenteil beweisen.
Viele Grüße

Stefan Funk

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